Ungewohnte künstlerische Aktivitäten erlebte am Samstag der Tersteegensaal. Unter (An)leitung von Uscha Urbainski, freischaffende Künstlerin, konnten sich die Teilnehmer des „Kulturführerschein-Reformation“ voll entfalten und und die Feinheiten der Druckkunst selbst

erleben. Und sie erfuhren von Karin Nell, Studienleiterin beim Ev. Erwachsenenbildungswerk Nordrhein, wie sich Luthers Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts so rasch ausbreiten konnte – ohne Twitter, Radio oder Fernsehen – in einem Land, in dem nur ein Teil der Menschen lesen und schreiben konnte.

Möglich machte es Johannes Gutenberg. Seine Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Metalllettern und der Druckerpresse löste ab 1450 eine Medienrevolution in Europa aus. Durch relativ „preiswerte Flugschriften“ in deutscher „Dialekt-Sprache“ enwickelte sich eine Bildungsrevolution, die durch Luther angeheizt und gefördert wurde.

Und erster Medienstar wurde Martinus Luder, der ab 1517 unter dem Namen Martin Luther (lat. eleutheria = Freiheit) bekannt wurde. In kurzer Zeit wurde er zum meistgelesenen religiösen Volksschriftsteller Deutschlands. Bald waren seine Bücher und Traktate in hunderttausenden von Exemplaren verbreitet. Schon 1533 hatte nach Schätzungen bereits jeder zehnte deutsche Haushalt ein lutherisches Neues Testament im Haus. Luther gehörte außerdem zu den am häuftigsten im Bild dargestellten Personen der deutschen Geschichte. Schon zu seinen Lebzeiten wurden ca. 500 Bilder, davon über 300  Porträts von ihm angefertigt. Besonders Lucas Cranach der Ältere – der auch Luthers Markenzeichen, die Lutherrose schuf – gehörte mit seinen Söhnen und seiner Werkstatt zu den bekanntesten und fleißigsten Malern.

Doch zurück zum Tersteegensaal. In einfacher Drucktechnik – Monotypie  – wird statt auf Papier auf Glas- oder Acrylplatten gezeichnet oder gemalt und so lange die Farbe noch feucht ist, mittels Presse oder Handabreibung auf das Papier gedruckt. Nach Vorgabe von Uscha Urbainski  „Was würde ich gerne reformieren?“; „Was würde ich in die Welt bringen und verändern?“ machten sich die Teilnehmer an die Arbeit. Zwischendurch unterbrochen von einem „Luthermahl“ (u.a. mit Reformationsbrötchen enstanden interessante Drucke.

Nächster „Führerschein“-Termin ist der 18. Februar und Neueinsteiger sind gerne gesehen.

 

 

 

 

Text und Fotos Hans Albrecht