2. Timotheus, 1,7

COVID–19 Gemeinde auf Eis ?

Monika Albrecht-Witzel

Eine Situation wie diese gab es seit Bestehen der Bundesrepublik noch nicht, folglich auch für unsere Gemeinde nicht.

Hätten Sie sich vor Wochen vorstellen können, dass  herkömmliche Gottesdienste untersagt  werden würden? Wie jetzt? Auch keine Verabredung zum gemeinsamen Essen, keine Sportveranstaltungen, keine Gesprächskreise etc. mehr?  Kein Mittagstisch im Tersteegenhaus, keine Besuche mehr dort oder in Krankenhäusern?  Für viele, ganz besonders für  Alleinstehende,  muss das wirklich ein Härtetest gewesen sein und ist es noch. Das sonstige Miteinander gibt es für die nächste Zeit nicht mehr. Keine Umarmung, kein freundlicher Händedruck, kein netter Plausch „hautnah“–wie kann man das aushalten ?

Nur schwer, aber wir alle wissen, was auf zukommen könnte, wenn die strengen Regeln nicht oder nicht ausreichend eingehalten würden.  Viele zwingend erforderlichen Einschränkungen haben unser Leben komplett auf den Kopf gestellt. Kann es  da noch Gemeindeleben geben ?

In Krisenzeiten sind oft wunderbare Ideen geboren worden, viel Kreativität ist geweckt worden. Nicht nur wunderbare Fenster-/Balkonkonzerte und Klatschaktionen für die vielen Helfer in der Not begeistern und rühren uns. Viele junge Menschen, die unerwartet „frei haben“, bieten Einkaufsdienste an. Das gilt auch für Tersteegen. Über Internetkanäle werden unterschiedlichste kulturelle Programme ermöglicht. Auch unsere Gemeinde ließ sich etwas einfallen: Am 22. März wurde der erste Video-Gottesdienst ausgestrahlt. Dass das ein probates Mittel sein könnte, den Gemeindegliedern zu zeigen, dass noch „Leben in der Bude“ ist, hat mich überrascht und sehr erfreut. Der Konfi-Unterricht wird per Video fortgesetzt.  Immer mal ein Anruf, eine Nachricht über Handy zeigen, dass wir uns alle sorgen,  und dass es weitergeht. Der Kontakt liegt also nicht auf Eis, er läuft angemessen auf Sparflamme. Gleichwohl freue ich mich auf die Zeit nach Corona, auf die persönlichen Begegnungen mit den Menschen, sei es im Gottesdienst, bei Veranstaltungen in unserer Kirche oder in der Klause.

Trotz aller Widrigkeiten lebe ich momentan viel bewusster.  Entschleunigung  kann man auch als Vorteil sehen und genießen. Vielleicht können wir ein Stück dieser Entspanntheit in die Zeit danach mitnehmen, es wäre eine Bereicherung.

Ob die Einschränkungen länger dauern werden oder  bald Entwarnung gegeben werden kann, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich ganz sicher: Wir alle sind in Gottes Hand, das heißt aber auch, dass wir unser Scherflein dazu beitragen müssen, in einer humanen und gerechten Welt zu leben. Dazu gehört übrigens auch die Vermeidung von Hamsterkäufen.

Ein wunderbarer Satz von unserem Bundespräsidenten trifft die Situation: Halten wir heute voneinander Abstand, damit wir uns morgen wieder umarmen können.

Bleiben / werden Sie alle gesund. Ihre Monika Albrecht-Witzel

 

Online-Gottesdienste am Sonntag

 

Unser Altar, geschmückt für unseren Gottesdienst


Wir werden den sonntäglichen Gottesdienst in unserer Kirche zum gewohnten Zeitpunkt, sonntags 10:30 Uhr, auf der Webseite als YouTube-Stream bereitstellen.

Für den kommenden Sonntag am 22.03.2020, Judika, unter der Leitung von Pfarrerin Felicitas Schulz-Hoffmann, wird auch wieder ein kleines Ensemble singen und ein Video-Projekt unserer Konfirmanden zu sehen sein – lassen Sie sich überraschen.In diesem Gottesdienst sollen die neuen Presbyterinnen und Presbyter in ihr Amt eingeführt und die wiedergewählten Mitglieder des Presbyteriums in ihrem Amt bestätigt werden.
               

 

 

Sonntag, 29.03.2020 Judika, 10.30 Uhr, Video-Gottesdienst Ev. Tersteegenkirche

 Ganz herzlich begrüße ich Sie, liebe Gemeinde, zu unserem zweiten Online-Gottesdienst. Durch Corona hat sich fast alles verändert in unserem Alltag. Und das ist für uns alle nicht leicht. Unsere Kontakte können wir nicht mehr direkt pflegen. Auch wir dürfen zurzeit unsere Kinder und unseren Enkel, aber auch unsere Eltern bzw. Schwiegereltern nicht treffen, sondern telefonieren mit ihnen oder schicken uns Nachrichten. Und auch das gemeindliche Leben hat sich grundlegend verändert. Statt Begegnungen im Gemeindehaus, in der Kirche oder im Stadtteil, bleiben uns das Telefon und das Internet als Kontaktmöglichkeit. Und beides nutzen wir jetzt viel intensiver als vorher. Und wir spüren, wie wichtig es ist, gerade jetzt voneinander zu wissen und sich des Zusammenhalts zu vergewissern, des Zusammenhalts untereinander, aber auch mit Gott. Auf ihn dürfen wir vertrauen in guten und schlechten Tagen, in Dankbarkeit für die Bewahrung bis zum heutigen Tag,  und in Sorge um das, was kommen mag.

Nach dem ersten Video-Gottesdienst haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen von Ihnen, die Sie den Gottesdienst gesehen haben. Sie sagen uns, wie viel Ihnen das bedeutet, mit Ihrer Gemeinde den Gottesdienst zu feiern. Das ermutigt uns, weiter zu machen auf diesem Weg, und so feiern wir nun zusammen, Sie an Ihrem Bildschirm und wir hier in der Tersteegenkirche, gemeinsam Gottesdienst.“

Predigt zur Speisung von 5000 (Matthäus 14,13-21)

„Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Gemeinde, 5000 Menschen an einem Ort. Bis vor drei Wochen nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt schier unmöglich aus Sorge vor Ansteckung. Trotzdem nehmen wir einmal wahr: Jesus zieht große Menschenmengen an. So viele wollen ihn hören, ihm nahe sein, ihn erleben. Aus verschiedenen Orten kommen sie zu ihm, hängen an seinen Lippen und wollen nur nichts verpassen von dem, was er sagt. Und heute sind auch Sie hier – nicht körperlich, aber doch über den Computer mit uns hier, und letztlich auch mit Christus verbunden. Auch Sie wollen etwas hören von Jesus, ihm nahe sein, erfahren, wie seine Nähe Ihnen guttut. – Und diese Erfahrung machen ja Menschen seit über 2000 Jahren. Jesu Worte wirken bis heute. Sie kommen an, weil Gottes Geist unsere Herzen berührt.

Zurück zu dem Bibeltext. Darin heißt es weiter: Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn und er heilte ihre Kranken.

Ich weiß nicht, wie das heute wäre, wenn Jesus auf uns sähe, auf Sie sähe. Jesus sah die große Menge und sie jammerten ihn. Auch wenn wir nicht zusammensitzen, Jesus sieht uns, sieht nicht nur unsere äußere Erscheinung, sondern auch, was sich dahinter verbirgt: Unsere Sorgen, unsere Ängste, unsere Gedanken, die wir uns machen um uns selbst, um unsere Lieben, um die Ansteckungsgefahr, um die wirtschaftlichen Folgen, die uns treffen. Jesus sieht dich mit allem, was dich bewegt. Und er lässt dich damit nicht allein. Er steht dir bei, er sorgt für dich. Er heilt die Kranken, so erzählt es die Bibel. – Den ganzen Tag haben sie ihm zugehört bis in den Abend und darüber den Alltag vergessen. Die Jünger bitten Jesus, die Menschen einkaufen gehen zu lassen, damit sie mit dem Notwendigen versorgt sind.

Doch Jesus sagt: Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen.

Ich verstehe das auch als eine Botschaft an uns, die wir uns seine Gemeinde nennen: Es ist nicht nötig, dass Sie fortgehen und Hamstereinkäufe machen, sich Vorräte anlegen für große Zeiträume, sich eindecken mit Klopapier und Nudeln bis unter die Decke. Aber was ist die Alternative? Was brauchen die Menschen, was brauchen wir wirklich zum Leben? Jesus sagt zu seinen Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen.

Was können wir zu essen geben? Was haben wir, das wir teilen können, was uns nährt und aufbaut, uns Kraft gibt für den Alltag,  gerade jetzt in der Corona Krise?

Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische.

Das reicht. Mehr braucht es nicht als das Wort Gottes. Damit kann Jesus die 5000 Menschen satt machen.

Das Erstaunliche ist ja, dass alle satt werden und noch etwas übrig bleibt.

Die biblische Geschichte verläuft ganz anders als unsere Alltagserfahrung und Sorge, wir könnten nicht genug zurückgelegt haben, wir könnten vielleicht hungern müssen oder Mangel an etwas haben. Diese Sorge treibt viele Menschen im Land dazu, noch mehr Vorräte anzulegen, noch mehr zu horten – und am Ende haben die vielleicht nicht genug, die ganz dringend Atemschutzmasken und Handschuhe und Desinfektionsmittel brauchen.

Dieses Brotwunder  Jesu legt den Fokus darauf, was wir wirklich brauchen, um gut durch diese Krisenzeit zu kommen: Worte, die uns tragen und halten, Worte, die uns Zuversicht geben in einer im wahrsten Sinne des Wortes verrückten Welt.

Und wenn Sie jetzt einmal in Ihrem Gedächtnis kramen, welche Worte sind das, die Ihnen Halt geben, die Ihnen Kraft geben?

Für viele gehört z.B. der Psalm 23 dazu, den wir vorhin gebetet haben.

Für mich ist es Gottes Zusage, die ursprünglich Josua galt: Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und freudig seist. Darum fürchte dich nicht, ich bin mit dir, wohin auch immer du gehst.

So lade ich Sie ein, sich einen Mutmachspruch zu suchen. In der Bibel, ganz besonders in den Psalmen, finden Sie ganz viele davon. Und diesen Spruch sich ruhig auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, wiederholen. Und – gerne weitergeben. Denn das ist ja das besondere an diesen Lebensworten. Wer sie weitergibt, wird doppelt beschenkt: er macht sich selbst eine Freude und dem anderen, dem er etwas aufbauendes, etwas tröstliches, ein gutes Wort, ein Wort Gottes sagt. Und dann passiert genau das, was die Bibel erzählt:  Dass es nicht nur reicht, dass alle satt werden, sondern auch noch viel übrig bleibt. Es wird also nicht weniger durchs teilen, sondern mehr. Mich ermutigt das.

Darum lassen Sie Gottes Wort auf sich wirken, heute, und zu jeder anderen Zeit. Wiederholen Sie es. Kauen Sie es durch. Bedenken Sie, was es für Sie bedeutet. So kann Gott an Ihnen wirken und Sie erfahren – genau wie die Menschen, die Jesus satt macht: Ich bin geborgen in Gott. Er sorgt für mich, was auch immer geschieht. Amen.

Fundraising Ausbildung

Hier noch eine Rückmeldung von einem Kursteilnehmer aus der Fundraising Ausbildung mit Pfarrer Jürgen Hoffmann in Auszügen.

… Einen Sonntagsgottesdienst bei euch hätte ich nun gern einmal besucht, das geht in dieser Zeit natürlich nicht.

Stattdessen habe ich letzten Sonntag das Angebot eures Online-Gottesdienstes wahrgenommen – und war sehr berührt. Die Gemeinde hat das sehr überzeugend umgesetzt, sowohl inhaltlich als auch technisch. Diese Rückmeldung möchte ich euch gern geben. Hoffentlich nutzen zunehmend mehr Menschen auch diese Form der Verkündigung.
Ich freue mich bereits auf euren Online-Gottesdienst am nächsten Sonntag – und bin jetzt natürlich sehr gespannt, eure Gottesdienste/Gemeinde später auch einmal “in echt” zu erleben.

Digitale Kirche

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Kontakt: Ev. Tersteegen-Kirchengemeinde, Presbyter H. Albrecht, (Vors. Öffentlichkeitsausschuss), Tersteegenplatz 1, 40474 Düsseldorf E-Mail hans.albrecht@evdus.de Unseren Tersteegen-Newsletter können Sie über www.tersteegenkirche.de abonnieren.