Nur Präsenz

Gottesdienst
am 8. August, um 10.30 Uhr
mit Prädikant Horst Gieseler

Prädikant Gieseler bei der Flutandacht am  23. Juli 2021

 

„Israelsonntag“

Davidsterne Foto Pixabay Ev. Kirche Berlin, Brandenburg, Schlesische Oberlausitz

„Die Beziehung zwischen Christen und Juden und die Besinnung auf die jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens sind Themen an diesem Tag. Er liegt im Sommer wegen der zeitlichen Nähe zum 9. Aw (Tischa be Aw). Das ist ein jüdischer Trauertag, an dem gefastet wird. An diesem Tag, so sagt es die jüdische Tradition, geschah sowohl die Zerstörung des ersten Tempels durch die Babylonier unter Nebukadnezar im Jahre 586 vor der Zeit wie auch die des zweiten Tempels durch die Römer 70 n. Chr. – und an einem 9. Aw im Jahr 1442 mussten die Juden nach einem Pogrom Spanien verlassen.

 Der 9. Aw ist aber nicht nur ein Tag des Weinens und der Klage. Zur jüdischen Tradition der Trauer gehört immer auch die Frage nach der Verantwortung, die Menschen an den Katastrophen der Geschichte haben. So ist der 9. Aw auch ein Tag der Buße, des Umdenkens und des Schuldbekenntnisses. Diesen Grundgedanken nimmt der Israelsonntag in Bezug auf das christlich-jüdische Miteinander auf.

Und nach dem millionenfachen Mord an Juden durch das nationalsozialistische Deutschland hat dieser Sonntag einen neuen Inhalt bekommen: Solidarität mit dem Gottesvolk Israel, Buße und Besinnung über neuerliche Diskriminierungen von Juden in unserem Land, Nachdenken über unsere gemeinsamen Grundlagen des Glaubens an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erden.

 So möchte ich den Israelsonntag als den Tag deutlich machen, an dem Christen nach ihren jüdischen Wurzeln fragen, sich ihrer Vergangenheit stellen und erkennen sollen, wie sehr eine innere Haltung das Handeln beeinflusst. Am Israelsonntag geht es so auch darum, einander gerecht zu werden und sich – gemeinsam mit Israel – unter das Erbarmen Gottes zu stellen (V. 32). Israel war und ist Gottes Volk.

 Ein Geheimnis Gottes sollen wir am Israelsonntag unseren christlichen Gemeinden mit den Worten des Apostel Paulus aus dem Römerbrief bezeugen. Es ist ein eschatologisches Geheimnis: Ganz Israel wird gerettet werden, nachdem auch die Fülle der Völker hinzugekommen ist. Damit steht dieses Geheimnis in schroffem Gegensatz zu dem, was offensichtlich schon zu Römerzeiten in christlichen Kreisen gedacht und immer wieder – oft bis in unsere Gegenwart – am 10. Sonntag nach Trinitatis von christlichen Kanzeln zu hören war: Anstelle Israels sei nun die Kirche Gottes erwähltes Volk. Das Evangelium der alten Perikopen Lk 19, 41-48, Jesu trauernde Sicht auf die kommende Zerstörung Jerusalems, war den Auslegern und Predigern Indiz und Beweis genug für Israels Verwerfung, weil es Jesus nicht als seinen Messias angenommen hatte.

Solchen Ansichten tritt der Apostel entschieden entgegen. „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat“ (Röm 11,2), weil ihn seine „Gaben und Berufungen“ nicht gereuen können (Röm 11,29). Klar und deutlich tritt damit das Evangelium von der Treue und Barmherzigkeit Gottes zutage, das allein – Juden und Christen – Garant ihrer Rettung sein kann. Nur wenn Gottes Treue zu Israel unverbrüchlich ist, können wir auch auf das trauen, was er uns durch Christus zugesagt hat.

 Der heutige Predigttext, liebe Gemeinde, steht im Schlussabschnitt der Kapitel 9-11 des Römerbriefes. Darin ringt Paulus um eine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis „der universalen Heilsverkündigung des Evangeliums“ zu der „Erwählungszusage Gottes an Israel“ (U. Wilckens).

 Er legt dar, dass ein Teil Israels „verhärtet“ worden sei (V. 25), so lange, bis die „(Heiden)-Völker hineingekommen“ sind in das Heil Gottes. Auf diesem Hintergrund und zugleich aus einer Situation der eschatologischen Naherwartung lebt und glaubt Paulus.

Schalom Ben-Chorin kommentierte das Verhalten des Paulus mit folgenden Worten: „Jetzt verstehen wir die brennende Ungeduld, diese jüdische Hast, mit der Paulus durch die Völkerwelt jagt, um das Evangelium zu verkündigen. Je mehr Heiden er bekehrt, desto näher rückt die Stunde der Rettung Israels“. Es wird hier deutlich, liebe Gemeinde, dass dann ganz Israel „gerettet“, aber nicht – im christlichen Sinne – „bekehrt“ werden wird! (V. 26) Was ist Paulus hier missverstanden worden, liebe Gemeinde, und was hatte das für Folgen.

Aus paulinischer Sicht nämlich ist der erste Bund Gottes mit Israel unwiderruflich (V. 29) und der Zustand seiner „Verhärtung“ ist nur ein vorübergehender, der nur kurze Zeit bis zur baldigen Wiederkunft des Messias andauert. Inzwischen sind mehr als 2.000 Jahre vergangen, liebe Gemeinde. In dieser langen Zeit haben die Gedanken des Paulus in ihrer Spannung zum Teil wohl auch das begünstigt, was sie eigentlich verhindern sollten, nämlich eine christliche Abwertung des Judentums und damit paradoxerweise der eigenen Wurzeln des Glaubens.

Der Israelsonntag dient so auch der Thematisierung dieser Unrechtsgeschichte und zugleich dem Aushalten dieser Spannung, die der Paulustext mit sich bringt.

Einen Ausblick allerdings gibt Paulus in Vers 32: Gott wird sich aller erbarmen. Dieser Satz ist zugleich das Ziel und die Pointe des Textes.

Der Predigttext aus Römer 11, 25 – 32, – in einer etwas moderneren sprachlichen Fassung:

(25) Damit ihr nicht überheblich werdet, liebe Brüder, möchte ich euch anvertrauen, was mir Gott offenbart hat. Ein Teil des jüdischen Volkes ist zwar blind für die Botschaft von Jesus Christus. Aber das wird nur so lange dauern, bis alle Heiden, die Gott dafür ausersehen hat, den Weg zu Christus gefunden haben. (26) Danach wird ganz Israel gerettet, so wie es bei den Propheten heißt: “Aus Jerusalem wird der Retter kommen. Er wird Israel von seiner Gottlosigkeit  bekehren. (27) Und das ist der Bund, den ich mit ihnen schließe: Ich werde sie von ihren Sünden befreien.” (28) Indem sie das Evangelium ablehnen, sind viele Juden zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorväter erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk. (29) Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er seine Zusagen. (30) Früher habt ihr als Heiden Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen. (31) Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott jedem Menschen in Christus barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen     jetzt Gottes Barmherzigkeit erfahren. (32) Denn Gott hat alle Menschen – Juden wie Heiden – ihrem Unglauben überlassen, weil er allen seine Barmherzigkeit schenken will.“

Ihr Prädikant Horst Gieseler

 

Auch an diesem Wochenende werden der Gottesdienst und unsere Schola noch einmal von unserem Kantor i.R. Arno Ruus musikalisch begleitet.

 Ob wir unter der Maske mitsingen dürfen, hängt von den leider steigenden Covid-19 Zahlen ab.

 Bitte beachten Sie die aktuellen Covid-19 Regeln.

 Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 Das Gemeindehaus ist – bis auf einige Ausnahmen –  bis zum August geschlossen.

Das Gemeindebüro ist am Dienstag und am Donnerstag geöffnet.

 Nachbarschafts-Werkstatt Golzheim und Tersteegen-Gemeinde
Sommernachmittags-Treffen
offen für alle – nicht nur – aus dem Quartier Golzheim/Stockum.

Foto Monika Albrecht-Witzel

Auch an diesem Sonntag wieder um 15.00 Uhr vor oder in der Kirche.

 Masken bitte nicht vergessen.

 

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Texte und Fotos (wenn nicht anders angegeben): Hans Albrecht Kontakt: Ev. Tersteegen-Kirchengemeinde, Presbyter Hans Albrecht (Vors. Öffentlichkeitsausschuss), Tersteegenplatz 1, 40474 Düsseldorf,
E-Mail hans.albrecht@evdus.de